Grafikkarte backen

Klingt seltsam, wird aber immer wieder empfohlen und hilft oft tatsächlich – zumindest für eine gewisse Zeit: das Reparieren einer Grafikkarte durch Überbacken im Backofen. Dieses Backwerk ist allerdings nur dann zu empfehlen, wenn der Schaden an der Karte nicht auf Überhitzung durch einen Lüfterausfall beruht. Denn in diesen Fällen hat sich die Karte gewissermaßen von selbst tot gebacken.

Ist eine Grafikkarte in die Jahre gekommen, passiert es irgendwann – und fast immer ohne Vorwarnung. Schon beim Hochfahren des Computers ziehen sich auf einmal senkrechte, grell bunte Pixelstreifen über den Bildschirm, die Konturen in den Grafiken verfärben sich und der Rechner stürzt bald darauf ab: Die Grafikkarte ist kaputt!

Was tun?

Viele PC-Nutzer empfehlen: Die Grafikkarte zunächst ausbauen und sicherstellen, dass sie – z.B. wegen Überhitzung – keine äußere Schäden und keinen verkohlten Fleck aufweist. Anschließend den heimischen Backofen auf 100°C Ober-/Unterhitze vorheizen und die Grafikkarte dann – in Alufolie verpackt oder mit Backpapier unterlegt – für 30 bis maximal 60 Minuten auf der mittleren Schiene “aufbacken”.

Beim Rausnehmen der Karte auf keinen Fall mit der GPU oder anderen Teilen in Berührung kommen, das kann sonst nur noch ein Fachmann reparieren. Deshalb die Karte am besten im ausgeschalteten Backofen liegen und diesen sich allmählich abkühlen lassen. Danach die Grafikkarte wieder in den Computer einbauen und siehe da: sie funktioniert! Jedenfalls in rund 50% aller Fälle.

Warum dieser Trick gelingt?

Eine hieb- und stichfeste Begründung für dieses wundersame Backwerk steht noch aus. Eine mögliche Erklärung ist, dass fehlerhafte Lötstellen des Grafikkarten-RAM, die im Laufe der Zeit ihre Leitfähigkeit verloren haben, durch das Aufbacken etwas schmelzen, sich dadurch wieder korrekt zusammenfügen und so erneut leitend werden. Nur: Die Temperatur ist dafür eigentlich zu niedrig.

Eine andere Erklärung lautet, dass sich die durch den Alterungsprozess verzogenen Kennlinien der elektrischen Bauteile wie Kondensatoren, Dioden und Transistoren durch die Ofenhitze wieder in einen brauchbaren Bereich verschieben. Wie auch immer:

Einen Versuch ist es wert!

Auch wenn diese Form der Reparatur weder in allen Fällen gelingt noch länger als höchstens ein paar Wochen anhält – einen Versuch ist sie immerhin Wert. Und sei es auch nur, um in der gewonnenen Zeit das nötige Geld für eine neue Grafikkarte beiseite zu legen. Dennoch:

Aufbacken aber nur in bestimmten Fällen!

Grundsätzlich gilt: Man sollte seine Grafikkarte nur in den Fällen in den Backofen schieben, in denen sich die Reparatur durch einen Fachmann nicht mehr lohnt. Sei es, weil es sich um eine Billigkarte handelt, sei es, weil die Karte wegen eindeutiger Überalterung eh eine neue und sehr viel leistungsfähigere Nachfolgerin verdient hat.

Es gibt 3 Kommentare für diesen Beitrag.

  1. Thomas sagt:

    Guten Tag,

    ich selbst würde euch immer raten, eine alte Festplatte als Versuchsobjekt zu nehmen. Nehmt auf keinen Fall eure teure Grafikkarte von nVidia oder AMD bzw. ATi. Nicht immer muss das Grafikkarten-Backen gut verlaufen. Mal ist die Temperatur zu hoch eingestellt und alles wird zerstört, mal verformt sich die Grafikkarte und passt nicht mehr in das Computergehäuse. Deswegen rate ich euch vom Backen eher ab!

    Grüße
    Thomas

    • Johannes sagt:

      Dem kann ich mich nur anschließen, Thomas! Grafikkarten sind unglaublich empfindliche Steckkarten für den Computer, die mit größter Vorsicht zu behandeln sind. Genau deswegen trägt man normalerweise auch immer anti-statische Handschuhe, wenn man im Computer arbeitet. Schon der kleinste Stromschlag kann Karten wie eine Grafikkarte oder einen Grafikchip zerstören oder stark beschädigen. Deswegen geht wirklich lieber zu einem Fachmann und hantiert nicht selber – Backt also auch auf keinen Fall!

  2. Carsten sagt:

    Festplatte als Versuchsobjekt? Wenn dann nur das Platinenteil, alles andere wäre nicht wirklich sinnvoll. Diese Backmethode soll, wie auch schon in der Anleitung geschrieben, nur dann genutzt werden, wenn wirklich nichts mehr zu retten und keine Garantie mehr vorhanden ist. Ihr redet immer vom Fachmann, wer soll denn das sein? Kenne niemanden der so etwas macht, geschweige denn der Hersteller, ein Austausch ist billiger bzw. ein Wechsel zu einer neueren Karte empfehlenswerter. Denn wir reden hier von einer Hardware die bereits keine Herstellergarantie mehr hat, heißt min. 2 Jahre alt und in diesem Alter ist wirklich eine “Reperatur” nicht wirtschaftlich.

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