Grafikkarte übertakten

Welcher Gamer wollte nicht möglichst viel Leistung für sein Geld? Da trifft es sich gut, dass vor allem bei kleineren Grafikkarten eine Menge Performance brachliegt, die sich durch sogenanntes “Übertakten” – im Englischen Overclocking – mit Hilfe des Treibers und entsprechender Hersteller-Tools relativ einfach und obendrein auch noch gratis aktivieren lässt. Die Frage ist: Was gilt es dabei zu beachten? Und welche Overclockingmöglichkeiten gibt es außerdem noch?

Als Teil des PC-Tunings bezeichnet „Übertakten“ die Verfahren zur Erhöhung der Übertragungs- bzw. Verarbeitungsgeschwindigkeit taktabhängiger Computer-Komponenten. Ziel des Übertaktens ist es also, die jeweilige Komponente durch Erhöhung ihrer Taktrate oberhalb ihres nominellen, vom Hersteller vorgesehenen Taktes zu betreiben.

Geeignet sind hierfür die Grafikkarte, der Prozessor und der Arbeitsspeicher.

Das Übertakten der Grafikkarte

Das Übertakten der Grafikkarte erfolgt mittels geeigneter Zusatztools oder mit dem Grafiktreiber – meist sogar unter Windows. Bleibt die Stromversorgung dabei unverändert, besteht kaum eine Gefahr. Denn eine Fehlberechnung der GPU verursacht allenfalls einen kurzfristigen Darstellungsfehler.

Doch auch wenn das Übertakten von Grafikkarten mit Hilfe des Treibers und entsprechender Hersteller-Tools heute denkbar einfach ist – es ist und bleibt Vorsicht geboten.

Nachteile beachten!

Denn den paar Prozent Leistungsgewinn, die das Übertakten bringt, stehen zahlreiche potenzielle Nachteile gegenüber. So wird ein übertakteter PC schnell instabil, es kommt zu Bildfehlern, Datenfehlern und Systemabstürzen. Mehr noch: Die Belastung der Spannungswandler und die Temperatur der Grafikchips steigen bei höheren Taktfrequenzen unter Umständen so sehr an, dass Systemkomponenten beschädigt oder gar zerstört werden.

Ganz anders sieht die Sache natürlich bei Grafikkarten aus, die der Hersteller von sich aus übertaktet hat. Sie laufen schnell und stabil.

Das Übertakten des Prozessors

Jede CPU wird nach ihrer Herstellung zunächst auf ihre maximal mögliche Taktfrequenz getestet und dann erst entsprechend klassifiziert. Wegen der relativ hohen Nachfrage nach langsameren und deshalb billigeren Prozessoren kennzeichnen Hersteller dabei immer wieder einzelne CPUs als langsam, obwohl sie eigentlich viel schneller laufen könnten: das ideale Fressen für Übertakter, die hier mit Recht den größten Performance-Gewinn sehen. Bedauerlicherweise weiß aber niemand im Voraus, welchen Prozessor er um wie viel übertakten kann. Denn dass es gelingt, einen Prozessor um ein oder zwei Taktstufen höher zu treiben, ist die eher Ausnahme.

Sinkende Lebensdauer

Wer seinen Prozessor übertaktet, bringt ihn damit zwangsläufig in Gefahr. So ist die Lebensdauer übertakteter Prozessoren nachweislich geringer. Außerdem setzen übertaktete Prozessoren häufig Stromspartechniken außer Kraft und erhöhen im Prozessorkern die Verlustleistung. Das wiederum führt zu einer erhöhten Wärmeentwicklung, erzwingt dadurch eine zusätzliche Kühlung und steigert so die Leistungsaufnahme und die Geräuschentwicklung.

Bleibt die Frage: Welche Prozessor-Typen sind denn überhaupt fürs Übertakten geeignet? Generell: nur solche, bei denen der Multiplikator – er gibt an, um wie viel der Prozessortakt höher liegt als der Grundtakt – nach oben hin nicht begrenzt ist. Denn der Wert des Multiplikators bestimmt, wie hoch ein Prozessor gegenüber seinem fest vorgegeben Grundtakt getaktet wird. Diese Nichtbegrenzung nach oben bieten derzeit nur die Prozessoren der Black Edition (BE), die FX-Baureihe von AMD und die Extreme-Edition-Prozessoren von Intel. Es sind somit die einzigen Prozessoren, die sich überhaupt zum Übertakten eignen.

Das Übertakten des Arbeitsspeichers (Speichermodule)

Um es gleich vorwegzunehmen: Die meisten Computerbesitzer überschätzen den Vorteil eines übertakteten Speichers auf die Arbeitsgeschwindigkeit ihres PCs ganz erheblich. Denn die höhere Geschwindigkeit ist nur in Ausnahmefällen spürbar – und auch dann nur bei speicherintensiven Anwendungen wie wissenschaftlichen Simulationen.

Diesem fragwürdigen Zugewinn an Leistung steht auch hier wieder eine erhebliche Gefahr gegenüber. Denn ein Speicherfehler kann zu Datenverlust und im schlimmsten Fall zur Zerstörung wichtiger Einstellungen des Betriebssystems führen.

Übertakten belastet

Weil zum Übertakten geeignete Speichermodule höhere Frequenzen meist nur bei höherer Betriebsspannung erlauben, belastet das Übertakten den Speichercontroller von CPU oder Chipsatz und beeinflusst zahlreiche elektrische Parameter des Speichersystems. Außerdem erhöht die höhere Betriebsspannung die Leistungsaufnahme und damit den Kühlbedarf. Weil die meisten Motherboards eine Spannungsänderung für die Speichermodule verbieten, gibt es spezielle Motherboards für Übertakter. Falls Motherboard und BIOS mit diesen Speichermodulen jedoch nicht klar kommen, arbeiten auch sie nur mit Standard-Zeitparametern und bieten gegenüber Standard-DIMMs damit keinerlei Vorteile.

Wichtig: Die teilweise extrem überteuerten Übertakter-Speichermodule sind völlig überflüssig. Sie enthalten nämlich ganz gewöhnliche Speicherchips, die durch entsprechendes “Blendwerk” lediglich verschleiert werden. Überhaupt sind die vom Handel immer wieder angebotenen speziellen Overclocking-Produkte mit größter Vorsicht zu genießen.

Unterm Strich: Solange er groß genug ist, ist die Geschwindigkeit des Arbeitsspeichers überhaupt kein Thema. Und wenn, ist das Aufrüsten mit JEDEC-konformen Standard-DIMMs allemal der bessere Weg.

Fazit: Was bringt’s?

Damit der Anwender die Übertaktung überhaupt bemerkt, muss sein PC in der Regel um 20 bis 30 Prozent schneller sein. Erst wenn beispielsweise die Grenze zwischen flüssiger und ruckelnder Video-Wiedergabe erreicht wird, machen sich auch schon geringere Leistungssteigerungen bemerkbar.

Da dieser Leistungssteigerung vor allem beim Prozessor und beim Arbeitsspeicher teilweise erhebliche Risiken und Kostenerhöhungen gegenüberstehen, gilt als Faustregel: Übertakten sollte nur, wer mit der Funktionsweise und dem Zusammenspiel der beteiligen Hardware-Komponenten bestens vertraut ist und die Vorteile, Risiken und Nebenwirkungen genauestens abzuschätzen weiß.

Wer das noch lernen muss: Unter den Begriffen “Übertakten” und “Overclocking” gibt es sowohl im Internet als auch im Buchhandel ausführliche Anleitungen.

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